Ein Phönix aus der Asche

Eine Stadt mit langer Geschichte © Lisa Lehnen

Budapest – eine Stadt mit langer Geschichte © Lisa Lehnen

Wieder mal haben wir ein langes Wochenende in einer europäischen Metropole verbracht. Diesmal ging es nach Budapest, die Hauptstadt von Ungarn. Neben ihrem geschichtlichen Erbe und vielen Sehenswürdigkeiten ist Budapest heute im Herzen eine junge, moderne und aufstrebende Stadt, die malerisch am Donauufer liegt. Rund um das ehemalige jüdische Viertel zum Beispiel gibt es viele kleine Cafés, Bars und Geschäfte. Vielerorts ist noch zu erkennen, wie wohlhabend dieses Stadt einst gewesen ist. Davon zeugen beispielsweise das Parlamentsgebäude und der Burgberg. Doch das Stadtbild hat sich – vor allem in den vergangenen 100 Jahren – sehr verändert. Prunkvolle Paläste, schöne Plätze und der Schlossberg mit Blick über die ganze Stadt liegen hier daher neben alten, heruntergekommenen Straßenzügen oder Plattenbauten und es gibt insgesamt viel zu entdecken. Denn zwischen seinen (historischen und sozialen) Gegensätzen hat Budapest ein ganz eigenes Flair entwickelt. Los geht die „Reise“!

Ein kurzer – hoffentlich nicht langweiliger – historischer Exkurs darf bei einer Stadt wie Budapest nicht fehlen: Das Land Ungarn und damit auch die Stadt Budapest blicken auf eine bewegte Geschichte zurück. Ehemals ein Königreich von fast der dreifachen heutigen Größe, erlitten die Ungarn mehrmals große Gebietsverluste. Vor allem nach den beiden Weltkriege mussten sie sich von Landteilen trennen, hatte man sich doch jedes Mal – so hat es unser Tourguide bei der Free Walking Tour (sehr zu empfehlen, später noch mehr dazu) erklärt – „auf die Verliererseite“ geschlagen. Viele Menschen, die sich aufgrund von Sprache und Kultur dem Volk der Ungarn zugehörig fühlen, wohnen daher heute in den Nachbarländern Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Kroatien und Österreich.

Stadt und Land überstanden eine 160jährige Besiedlung der Osman-Türken, die Ungarische Revolution und den Freiheitskrieg von 1848-49, sowie den Freiheitskampf gegen die Diktatur und die sowjetische Besatzung 1956. Der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 führte schließlich zum Auszug der sowjetischen Truppen, der im Sommer 1991 endete. Danach erneuerte sich das ungarische Staatswesen und die Republik Ungarn wurde ausgerufen. Seit dem befindet sich Ungarn politisch auf einem besseren, wenn auch nicht immer ganz unkritischen und ruhigen Weg. 2012 trat eine neue Verfassung in Kraft, laut derer das Land nun eine parlamentarische Republik ist.

Den Blick schweifen lassen © Lisa Lehnen

Den Blick über Häuserdächer schweifen lassen © Lisa Lehnen

Budapest ist mit über 1,7 Millionen Einwohnern (Stand Januar 2013, Quelle: Wikipedia) heute die neuntgrößte Stadt der Europäischen Union, deren Mitglied Ungarn am 1. Mai 2004 wurde. Die Einheitsgemeinde Budapest entstand 1873 durch die Zusammenlegung der zuvor selbstständigen Städte Buda (deutsch „Ofen“), Óbuda („Alt-Ofen“) und Pest. Die flache Landschaft der ehemaligen Stadt Pest im Osten steht im Gegensatz zur Stadt Buda, das von hügeligem, bergigem Terrain geprägt ist. Die Restfläche entfällt auf die ehemalige Stadt Óbuda. Verbunden werden die Stadtgebiete recht uns links der Donau von zahlreichen Brücken.

Historische Orte mit Ausblick: Burgviertel & Gellértberg (Buda)

Foto 27.03.16 12 22 45Das gemütliche Burgviertel mit seinen engen Gassen, dem Burgpalast und der neogotischen Matthiaskirche lädt zum Verweilen ein. In dem barocken Städtchen, das in seiner heutigen Form größtenteils im 17. Jahrhundert entstand, finden sich noch Spuren der mittelalterlichen Stadt und auch einige repräsentative Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Von hier aus bekommt man einen Überblick über die gesamte Stadt und genießt eine wunderbare Aussicht in alle Himmelsrichtungen.

RuszwurmCukraszda1Gemütlich und traditionell kann man seinen Kaffee und Torte zum Beispiel im Ruszwurm Cukrászda (1014 Budapest, Szentháromság utca 7), das täglich von 10.00 bis 19.00 Uhr geöffnet hat, genießen. Bei Sonnenschein sitzt man vor der Tür an kleinen Tischen mit Blick auf die Matthiaskirche. Es kann recht voll sein!

Wie ein Märchenschloss aus einem Disneyfilm liegt die Fischerbastei (Halászbástya) hoch oben auf dem Hügel über der Donau. Das neoromanische Monument wurde von Frigyes Schulek zwischen 1895-1902 für die Fischergilde errichtetet, die diesen Abschnitt der Burgmauer im Mittelalter verteidigte und nach der es auch benannt ist. Erklimmt man das Bauwerk, hat man einen einmaligen Ausblick auf ganz Budapest!

Burgberg1Die Königliche Burg (Királyi Vár) hat ihre Anfänge im 13. Jahrhundert, als König Béla IV. sie errichten ließ. Seit dem diente der Palast als Residenz der ungarischen Könige. Der Burgpalast wurde mehrmals erweitert, Stilepochen und die verschiedenen Herrscher hinterließen ihre Spuren. Die Zerstörungen aus dem zweiten Weltkrieg konnten zwar teilweise wieder hergestellt werden, doch vor allem die Innenräume fielen fast gänzlich der kommunistischen Herrschaft zum Opfer. Heute setzt sich der prächtige Gesamtkomplex hauptsächlich aus Stilelemente der Gotik und der Renaissance zusammen.

Foto 27.03.16 11 26 57Es lohnt sich, nicht nur die Fischerbastei und den Burgpalast , sondern auch die Umgebung des Burgbergs mit verschiedenen Statuen und Kirchen ausführlich zu erkunden. Außergewöhnlich soll nämlich auch die Unterwelt sein: Tief im Gestein ziehen sich gewaltige Höhlen über viele Kilometer hin. Ein kleiner Teil dieser Unterwelt, das Burgberg-Labyrinth, kann besichtigt werden. Wir haben das bei dem tollen Sonnenwetter, das wir hatten, nicht gemacht, werden aber beim nächsten Besuch sicher mal einen Blick riskieren.

Gellertberg3Südlich des Burgviertels befindet sich der Gellértberg (Gellért-hegy) mit der Statue des Bischofs St. Gellert, der Zitadelle und der weithin sichtbaren Freiheitsstatue. Diese wurde 1947 zur Erinnerung an die Eroberung von Budapest durch die Rote Armee aufgestellt. Zahlreiche kleine Wege schlängeln sich durch leicht bewaldetes Gebiet den Berg hinauf. Von der Zitadelle aus hat man ebenfalls einen weiten Blick in beide Richtungen entlang der Donau. Wir hatten Glück und haben ein belebtes Wochenende erwischt, so dass sich vor der Zitadelle einige Verkaufsstände mit ungarischen Leckereien aneinanderreihten und wir einen kleinen Zwischenstopp gemacht haben. Aber auch sonst gibt es hier wohl ein gastronomisches Angebot (vom Imbiss bis zum Restaurant) mit definitiv lohnenswertem Ausblick.

Steigt man am Südhang des Gellértberges wieder herunter, gelangt man zu einer Grottenkirche, die dort 1926 in den Fels gebaut wurde. 1951 eingemauert, ist sie 1989 wiedereröffnet worden und (außerhalb der Gottesdienstzeiten) frei zugänglich. Am Fuß des Berges hat man auch Blick und Zugang zum Hotel Gellért mit dem Gellértbad. Die Jugendstilarchitektur mit den orientalischen Elementen lässt immer noch erkennen, dass dieses Gebäude einst das begehrteste Grandhotel der Stadt gewesen ist und in einem der reicheren Stadtbezirke Budapests steht.

Richtung Innenstadt geht man von hier aus zu Fuß entweder über die grüne Freiheitsbrücke (Szabadság híd) oder die in  den 1960er Jahren erbaute weiße Elisabethbrücke (Erzsébet híd), zwei der neun Donaubrücken in Budapest und beides sehenswerte Bauwerke.

Bummeln & Einkaufen gehen: Südlich der Innenstadt (Pest)

Die Große Markthalle (Nagy Vásárcsarnok) oder auch Zentrale Markthalle (Központi Vásárcsarnok) wurde 1890 nach Plänen von Samu Pecz errichtet, der sich die Pariser Hallen zum Vorbild nahm. Von außen mutet das etwa 120 m lange Gebäude mit dem Langhaus und den beiden Querschiffen ein wenig wie eine Basilika an. Bis 1932 war die Markthalle mit ihrer Fassade aus bunten, glasierten Ziegeln in Gelb- und Rottönen der wichtigste Markplatz der Stadt. Neben Kunsthandwerk und Mitbringseln kann man hier bis heute auf drei Etagen an über 180 Verkaufsständen Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch, aber auch traditionelle ungarische Lebensmittel kaufen.

Macht man noch einen kleinen Umweg, stößt man etwas weiter südlich auf eine kolossale Metall-Glas-Struktur direkt an der Donau, den Bálna („der Wal“ / 1093 Budapest, Fővám tér 11-12), ein Handels-, Kultur-, Unterhaltungs- und Gastronomiezentrum. Die neue Hülle überspannt ein historisches Lagerhaus aus Backstein von 1881. Leider ist das lange umstrittene Gebäude so gut wie leer gewesen und nur von außen ein Hingucker. Da man es auch vom Gellértberg aus gut sehen kann, lieber von oben anschauen.

Arabisch, Italienisch, Französisch – verschiedenste Spezialitäten aus aller Welt bekommt man in Kaffeehausatmosphäre im Cafe Frei (1056 Budapest, Váci utca 74), das in der Fußgängerzone Richtung Innenstadt liegt. Hier kann man wunderbar eine kleine gemütliche (Kaffee-)Pause machen. Weiter hinauf die Váci utca lässt man sich zwischen Gründerzeithäusern und Jugendstilfassaden bis zum Vörösmarty tér treiben und schon ist man mitten drin in der Budapester Altstadt. Dazu lest ihr weiter unten mehr.

Mitten hinein ins Budapester Leben: Altes Jüdisches Viertel (Pest)

In kaum einem Viertel wird der Spagat zwischen Geschichte und modernem Leben in Budapest so deutlich, wie im alten jüdischen Viertel, das vor dem zweiten Weltkrieg als Elisabethviertel bekannt war. Etwa 110.000 Juden leben heute (wieder) in Budapest. Früher waren es deutlich mehr und dieser Teil der Stadt war schon früher vor allem vom jüdischen Leben und Glauben geprägt. Heute mischen sich dort koschere Restaurants mit hippen Bars und Geschäften, restaurierte Prachtbauten stehen neben Ruinen. In nicht vielen europäischen Städten lässt sich noch immer so viel vom Judentum erleben. Wer mehr über die Geschichte des Viertels und die Juden in Budapest und Ungarn erfahren will, sollte an der Free Walking Tour teilnehmen, die sich speziell mit diesem Thema beschäftigt und bei der man zu allen drei Synagogen im Viertel etwas erfährt und außerdem viele spannende Geschichten zu hören bekommt. Ansonsten kann man hier tagsüber wie abends los gehen und wird immer etwas Tolles entdecken!

Im alten jüdischen Viertel steht zum Beispiel Europas größte Synagoge, die sogenannte Große Synagoge (Nagy Zsinagóga / 1074 Budapest, Dohány utca 2), die aufgrund ihrer Lage in der gleichnamigen Straße auch als Dohány-Synagoge bekannt ist. 1854 wurde der Wiener Architekt Ludwig Förster damit beauftragt eine Synagoge zu entwerfen, um der wachsenden jüdisch-neologen Gemeinde in Budapest ein angemessenes Gotteshaus zu bieten. Das im maurischen Stil geplante Gebäude mit rund 3000 Sitzplätzen konnte bereits 1859 feierlich eröffnet werden. Während des zweiten Weltkrieges wurde die Synagoge Teil des Budapester Ghettos, in dem bis zu 200.000 Menschen eingepfercht wurden. Die schweren Beschädigungen des Krieges reparierte man erst nach dem Ende der sowjetischen Besatzung, 1996 erstrahlte die Große Synagoge wieder in vollem Glanz. Die beiden achteckigen Türme mit den vergoldeten Kuppeln sind Minaretten nachempfunden, die Fassade aufwändig verziert. In dem Komplex sind auch das Jüdische Museum und ein Holocaustmahnmal. Der Baum des Lebens im „Garten“ der Großen Synagoge erinnert an die während der Nazizeit ermordeten Juden Budapests. Wenn man keine Zeit hat oder die Synagoge geschlossen ist am besten hinten herum gehen, von dort aus kann man das Mahnmal auch von außen gut sehen.

Neben der Großen Synagoge gibt es auch noch mehrere kleinere Synagogen im jüdischen Viertel, von denen aber nicht mehr alle in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt werden. Eine der noch aktiven Synagogen ist die Rumbach-Synagoge, die erst seit 2006 wieder für Besucher geöffnet ist. Sie wurde zwischen 1869 und 1872 von dem ebenfalls österreichischen Architekten Otto Wagner erbaut und weist ähnliche Elemente auf wie die Große Synagoge:  eine farbige Backsteinfassade, zwei Türme, die Minaretten ähneln, und ein reich verzierte Innenraum mit achteckigem Grundriss. Dritte Station des sogenannten Synagogen-Dreiecks ist die im Jugendstil gebaute Kazinczy-Synagoge, in der die orthodoxen Juden von Budapest ihr religiöses Zuhause gefunden haben. Sie ist ebenfalls für Besucher zugänglich.

Die Location Szimpla Kert (“Einfacher Garten” / 1075 Budapest, Kazinczy utca 14) öffnete ihre Türen vor über zehn Jahren in einem Abrissgebäude und etablierte damit einen ganz neue Trend im Budapester (Nacht-)Leben: die sogenannten Ruinenkneipen (Romkocsma). Das Gebäude wurde ehemals als Ofenfabrik im 19. Jahrhundert erbaut, in den 50er-Jahren schließlich von den Kommunisten verstaatlicht und steht heute unter Denkmalschutz. Neben einer bzw. mehreren Bars in ganz besonderem Ambiente, das sich zwischen ranzig und kreativ bewegt, gibt es in den weitläufigen Räumlichkeiten u.a. Filmvorführungen, Ausstellungen, Live-Musik und sogar einen Sonntagsmarkt. Besonders bei Touristen ist der Ort mittlerweile beliebt, man kann zum Beispiel an einer kostenlosen Führung durchs das Gebäude oder an einem kleinen Sprachkurs teilnehmen.

Essen geht man im jüdischen Viertel zum Beispiel im Kőleves Vendéglő (1075 Budapest, Kazinczy utca 41). Auch wenn die Portionen in dem modernen Lokal mit traditioneller, koscherer Küche eher klein sind, der Chocolate Cake (mit salziger Karamellsoße und Granatapfelkernen) ist einfach himmlisch! Und vor der Tür steht ein ganz besonderer Ort zum Essen: in einem alten Bulli können zwei Personen an einem kleinen Tisch Platz nehmen und speisen. Und wer sich nicht auf den Teller schauen lassen will, der zieht einfach die Vorhänge zu.

Die gemütliche Kneipe Fekete Kutya (1074 Budapest, Dob utca 31) mit (lokaler) Bierauswahl lockt Einheimische wie internationale Besucher an. Man zahlt knapp zwei Euro für ein großes Bier und wird dabei auch noch sehr nett beraten.

In der Passage Gozsdu Udvar mitten im jüdischen Viertel gelangt man zwischen Häuserzeilen von einem Innenhof in den nächsten. Tagsüber sitzt man gemütlich in den Lokalen oder bummelt durch die Shops, manchmal sind sogar noch einige Stände mit Selbstgemachtem zwischendrin aufgebaut. Abends wird es hier lauter, wenn die Bars und Clubs öffnen – eine wuselige Oase.

Auch einen Besuch wert ist die scherzhaft „kürzestes Boulevard der Welt genannte“ Madách Imre út. Dazu etwa mittig der Passage Gozsdu Udvar abbiegen. Ursprünglich als Pendant zur Prachtstraße Andrássy út geplant wurden nur wenige hundert Meter tatsächlich fertig gestellt. Läden und zahlreiche Cafés mit schönen Außensitzplätzen machen die Straße zu einem hippen Treffpunkt. Leckeren Kaffee und Cookies bekommt man zum Beispiel bei Központ (1075 Budapest , Madách Imre út 5). Hierher kommen auch die Einheimischen zum Arbeiten und Entspannen.

Galerien, Boutiquen, kleine Geschäfte, Cafés und Bars findet man auch auf der Király utca, der neuen Szenemeile, die an das alte jüdische Viertel grenzt. Auf der Straße liegt auch das Restaurant Frici Papa Kifőzdéje (1077 Budapest, Király utca 55), in dem seit 1997 gute und günstige Hausmannskost serviert wird. Am besten bestellt man ein Gulasch, dazu Spätzle und ein ungarisches Bier.

Das Herz der Stadt: Rund um die St.-Stephans-Basilika (Pest)

Der Bezirk rund um die St.-Stephans-Basilika steht fast gänzlich unter Denkmalschutz. Doch viele Hausgemeinschaften können das Geld für die Instandhaltung ihrer Häuser nicht mehr aufbringen, daher wirken einige der ehemals schmucken Gebäude heute leider heruntergekommen. Ein Spaziergang durch die Altstadt von Budapest lohnt sich dennoch, denn hier lassen sich früherer Reichtum und Prunk immer noch erahnen.

Ein gut erhaltenes Beispiel für luxuriöse Architektur ist unter anderem das Hotel Gresham Palace (1051 Budapest, Széchenyi István tér 5-6) in einem wunderbaren Jugendstilbau. Steht man davor und richtet den Blick Richtung Donau schaut man direkt auf die Kettenbrücke (Széchenyi lánchíd). Vom englischen Ingenieur William Tierney Clark im Auftrag des Grafen István Széchenyi, dessen Namen sie auch trägt, als klassizistische Brücke entworfen, wurde der Bau zwischen 1839 und 1849 von Adam Clark ausgeführt. Den  zweiten Weltkrieg überlebte die eiserne Hängebrücke mit den zwei triumphbogenartigen Stützpfeilern nicht, konnte aber im Jahre 1949, zum 100. Jahrestag ihrer Fertigstellung, neu aufgebaut werden.

Die St.-Stephans-Basilika (Szent István-bazilika) ist nach dem ersten christlichen König Ungarns benannt und seit ihrer Einweihung im Jahre 1905 die größte Kirche der ungarischen Hauptstadt. Zu einer Geldsammlung für den Bau der Kirche rief man bereits in den 1810er Jahren auf, die Bauarbeiten wurden aber erst 1851 nach den Plänen des Architekten József Hild begonnen und 1905 unter dem zweiten Bauleiter Miklós Ybl fertiggestellt. In dem Bauwerk mischt sich der klassizistische Stil von Hild mit dem Neorenaissancestil von Ybl. 1987 wurde die Basilika von der UNESCO als Teil des Donaupanoramas zum Weltkulturerbe ernannt. Die Kuppel der Basilika ist für Besucher zugänglich und bietet einen Blick auf Budapest. Wir haben es leider verpasst, den Aufstieg zu machen (297 Treppenstufen oder wahlweise per Aufzug), er wird aber immer wieder empfohlen.

Zur historischen Altstadt gehört auch der Platz Vörösmarty tér, benannt nach dem ungarischen Nationaldichter Mihály Vörösmarty. Geschmückt mit bunten Lampions, duftet es in kleinen Holzhütten nach Essen, man kann traditionelle Handwerkskunst und moderne Designobjekte erwerben. Auch die Free Walking Tours durch Budapest zu unterschiedlichen Themen und in verschiedenen Sprachen starten hier. Es ist sehr lohnenswert, sich mit einem „echten“ Budapester auf einen Stadtspaziergang zu machen!

Wunderbar wanderbar: Entlang der Donau (Pest)

Am Ufer gemütlich schlendern, Gebäude und Panoramablick bewundern, Details entdecken – das macht eine Stadt am Fluss immer zu etwas Einzigartigem. Seit 2005 stößt man auf der Pester Seite dabei auch auf das Holocaustmahnmal Schuhe am Donauufer (Cipők a Duna-parton). Wie zufällig verteilen sich dort auf einer Länge von rund 40 Metern sechzig Paar Schuhe aus Metall zum Gedenken an die 1944 und 1945 dort erschossenen Juden. So beiläufig wie es gestaltet ist, macht das Mahnmal doch für einen Augenblick nachdenklich – nicht nur ob der Gewalt des zweiten Weltkrieges, sondern auch der doch nicht immer einfachen ungarischen Geschichte.

Nur etwa 300 Meter weiter nördlich erhebt sich rechts neben der Promenade mit dem imposanten Ungarischen Parlament (Országház, was wörtlich übersetzt „Landeshaus“ bedeutet) ein weiteres Stück Geschichte. Nachempfunden ist das neogotische Gebäude von Architekt Imre Steindl dem Palace of Westminster in London. Sieben Jahre nach der Vereinigung der zuvor eigenständigen Städte Buda, Pest und Óbuda zu Budapest im Jahre 1873 beschloss man, ein repräsentatives Parlamentsgebäude zu errichten. Mit dem Bau des neuen Symbols für die Souveränität der Nation wurde 1885 begonnen. Bis zur feierlichen Eröffnung 1896 (bzw. zur Fertigstellung 1904) verbauten etwa 1000 Arbeiter über 40 Millionen Steine und rund 40 Kilogramm Gold zu einem beeindruckenden Gebäude mit 691 Räumen, 27 Eingängen, 29 Treppenhäusern und 13 Personen- und Lastenaufzügen sowie 365 Türmchen und 10 Innenhöfen.

Noch weiter im Norden, vorbei an der Margaretenbrücke zur Linken, gelangt man in ein Viertel, das optisch geprägt ist von seinen Bürgerhäusern aus dem 19. Jahrhundert. Heute leben hier vor allem Arbeiter und nationale Minderheiten. Mit Großprojekten soll der Bezirk mit der attraktiven Donaulage nun nach und nach aufgewertet werden. Schon jetzt kann man aber wunderbar die Pozsonyi út entlang schlendern und in einem der dort ansässigen Cafés oder Restaurants essen gehen, beispielsweise im einfachen, rustikalen Ecklokal Pozsonyi Kisvendéglő (1137 Budapest,Radnóti Miklós u. 38) mit günstigem, wechselnden Tagesmenü.

Richtung Vorstadt: Nördlich des Burgberges (Buda & Óbuda)

Geht man am Abend von Pest aus über die Margaretenbrücke (Margit híd) vorbei an der Margareteninsel, die auch geschichtlich interessant ist und für Budapester wie Touristen heute als Park, Sport- und Freizeitort dient (wir hatten leider keine Zeit, sie zu besuchen), hat man einen wunderschönen Blick auf die Pester Seite, das beleuchtete Parlamentsgebäude und die anderen Brücken – ganz vorne die Kettenbrücke.

Wer noch nicht müde vom vielen Laufen ist, der hält sich hinter der Brücke (auf Budaer Seite) rechts und geht bis zum Restaurant Kerék Kertvendéglő (1034 Budapest, Bécsi út 103 – alternativ kann man auch ein oder zwei Stationen mit der Bahn fahren). Man muss aufpassen, dass man nicht vorbei läuft, das Restaurant liegt nämlich in einem Eckhaus hinter einem (nicht besonders schönen) Platz, vorne an der Straße ist ein Imbiss. Der Weg ist es wert: Ein wenig kitschig, aber irgendwie doch sehr urig, mit einem freundlichen Kellner und super leckerem Essen sitzt man mitten im ungarischen Leben. Die Portionen sind riesig!

Prachtbauten bewundern: Entlang des Boulevard Andrássy út (Pest)

Paris hat die Champs Elysées, Düsseldorf die Königsallee, Berlin den Kurfürstendamm – und Budapest die Andrássy út. So zumindest sehen es wohl die Budapester und ein bisschen stimmt es auch, denn hier finden sich zahlreiche Kultur- und Prachtbauten.

Geht man vom Zentrum aus los, findet sich direkt an der Ecke Bajcsy-Zsilinszky út / Andrássy út ein guter Ort, um eine kulinarische Spezialität zu probieren: Kürtöskalacs, eine Art Ungarischer Baumkuchen. Die kleine Verkaufsbox ist zwar nicht besonders prachtvoll, aber dafür ist das Hefeteiggebäck mit der süßen Kruste hier umso günstiger und sehr lecker!

Oper hat in Ungarn seit über 300 Jahren Tradition – davon zeugt das Gebäude der Ungarischen Staatsoper (Magyar Állami Operaház / 1061 Budapest, Andrássy út 22), das bald auf linker Seite ins Blickfeld kommt und ebenfalls ein prachtvolles Beispiel der Neorenaissance ist. Barocke Elemente, zahlreiche Ornamente, Gemälde und Skulpturen schmücken das zwischen 1875 und 1884 erbaute Opernhaus innen wie außen. Das Gebäude von Miklós Ybl (der auch die Fertigstellung der St.-Stephans-Basilika verantwortete) gilt als eines der schönsten Opernhäuser der Welt und als ein persönliches Meisterwerk des Architekten. Es wurde von der Stadt Budapest sowie Kaiser Franz Joseph I. von Österreich finanziert und 1884 feierlich eröffnet. Vor dem Gebäude stehen zwei Statuen, die Ferenc Erkel, Komponist der ungarischen Nationalhymne, und Franz Liszt (ungarisch: Liszt Ferenc), Komponist und Klaviervirtuose des. 19. Jahrhunderts, zeigen. Nicht nur der italienische Regisseur Dario Argento verewigte das imposante Bauwerk in seinem Film “Das Phantom der Oper”. Bis heute ist das Budapester Opernhaus eine beliebte Filmkulisse. Auch wir durften darüber staunen, wie ein Filmset die Rückseite des Gebäudes zurückversetzte in längst vergangene Jahrhunderte.

Eine lebhafte Restaurant- und Cafészene findet man wenn man weiter geht rund um den Platz Liszt Ferenc tér. Nicht besonders ungarisch, aber doch immer mit toller Stimmung und Livemusik: Becketts Irish Pub (1061 Budapest, Liszt Ferenc tér 11). Sobald es auch abends etwas wärmer ist kann man hier überall wunderbar draußen sitzen.

Das Haus des Terrors (Terror Háza / 1062 Budapest, Andrássy út 60) versteht sich nicht als Mahnmal, sondern als Dokumentationszentrum der Zeit während und nach des zweiten Weltkrieges. An den Häuserkanten ist es umrahmt von einem schwarzen Metallband, das bei Lichteinfall ganz deutlich das Wort „Terror“ auf die Fassade projiziert. 1880 wurde das Palais nach Plänen von Adolf Feszty im Stil der Neorenaissance erbaut, vor der Okkupation durch die Pfeilkreuzler (faschistische und antisemitische Partei in Ungarn von 1935 bis 1945 unter Ferenc Szálasi) und später die Kommunisten war es in jüdischem Besitz. Normalerweise bin ich ein begeisterter Museumsbesucher, wir hatten jedoch mehrere Tage so wunderbares Sonnenwetter, dass wir es einfach nicht über uns gebracht haben, Zeit drinnen in einem so düsteren Stück Geschichte zu verbringen. Ein Besuch des noch recht neuen Museums wird aber immer wieder empfohlen (mit Audioguide als Leitfaden) – beim nächsten Mal dann.

Mit dem beeindruckenden Heldenplatz (Hősök tere) schließt die Andrássy út am nordöstlichen Ende ab und geht über in den angrenzenden Stadtwald, der unter anderem die Burg Vajdahunyad und den Zoologischen Garten beherbergt. Der Heldenplatz wird dominiert vom riesigen Millenniums- und Heldendenkmal (Millenniumi emlékmű), auf dessen 36 m hoher Säule Erzengel Gabriel thront und die Heilige Ungarische Krone sowie das apostolische Doppelkreuz hält. Der umfassende Halbkreisbogen im eklektischen Stil mit einer Kolonnade rechts und links in der jeweils sieben Statuen wichtiger Personen der ungarischen Geschichte ihren Platz gefunden haben. Der wohl bekannteste Platz der Stadt wird außerdem eingerahmt von zwei wichtigen Budapester Museen. Die 1896 erbaute Kunsthalle (Műcsarnok) stellt hauptsächlich zeitgenössische Künstler aus, das gegenüberliegende Museum der Bildenden Künste (Szépművészeti Múzeum) von 1906 ist das größte Kunstmuseum Ungarns. Es beherbergt unter anderem Kunst aus Ägypten, der Antike und Europa vom 13. bis zum 21. Jahrhundert.

Naherholung in der Stadt: ein Stadtwald mit viel Kultur (Pest)

Das Stadtwäldchen (Városliget) wurde um 1810 vom französischen Landschaftsgärtner Nebbion als Park nach Vorlage eines Englischen Landschaftsgartens angelegt und ist heute ein beliebtes Naherholungsgebiet für Budapester und Touristen. Es erstreckt sich über eine Fläche von 1,2 Quadratmetern und war einst eine sumpfige Hügellandschaft. Das Stadtwäldchen schließt sich nordwestlich an den Heldenplatz am Ende der Andrássy út an. Schon wenn man über die Brücke hineinschreitet, blickt man auf das Highlight des Parks: Die Burg Vajdahunyad (Vajdahunyad vára) auf einer eigenen kleinen Insel besteht aus insgesamt 21 verschiedenen Gebäuden und wurde zunächst als Struktur aus Holz und Pappe konstruiert, bevor sie 1904 dann aus Ziegel und Steinen (mit kleinen Änderungen) als festes Bauwerk aufgebaut. Ignác Alpár entwarf das Gebäude anlässlich der Milleniumsausstellung 1896. Hauptsächlich im mittelalterlichen Stil errichtet vereint der Burgkomplex fast alle typischen Elemente ungarischer Baukunst. Heute beherbergt er verschiedene Museen.

Das Széchenyi-Bad (Széchenyi-gyógyfürdő) im Nordosten des Stadtwäldchens wurde 1881 eröffnet. Das im Stil des Neobarock erbaute Hallenbad mit dem wunderschönen Eingangsbereich verfügt auch über drei Freibecken sowie einen Thermal- und Therapiebereich. Seit 1998 wurde das im Krieg zwar nur wenig beschädigte, aber doch etwas heruntergekommene Bad nach und nach renoviert. Tipp: Ticket für das Freibecken kaufen, denn es gilt bis 22.00 Uhr, während im Thermalbereich erworbene Karten den Aufenthalt nur bis 19.00 Uhr erlauben.

Gebaut 1866 ist der Zoologische & Botanische Garten (1146 Budapest, Állatkerti krt. 6-12) in Budapest der älteste – und bis 1950 war er auch der einzige – Zoo in Ungarn. Das elf Hektar große Gebiet steht seit 1986 unter Naturschutz und beheimatet etwa 3500 Pflanzen- und 750 Tierarten. Innerhalb des Zoos sind verschiedene architektonische Stile in Form von Gebäuden und Denkmälern zu betrachten. Schöne Beispiele für den Jugendstil sind zum Beispiel das Elefantenhaus und das Eingangstor (auch von außen zu sehen).

Praktische Tipps, Anreise & Öffentliche Verkehrsmittel

Budapest verfügt über mehrere U-Bahnlinien, die einen quer durch die Stadt und auch in die Außenbezirke bringen. Dafür kann man Einzel- oder Mehrfahrtentickets kaufen. Wohnt man einigermaßen zentral, lässt sich die Stadt wunderbar zu Fuß erkunden. Die Buslinie E200 bringt einen vom Flughafen direkt zur Endhaltestelle der M3 mit der man bequem bis ins Zentrum fährt – und das innerhalb von knapp einer Stunde. Ein Ticket für die Strecke kann man am Bahnhof kaufen. Bei uns hat das alles super funktioniert.

Bier heißt übrigens sör, wenn man bor bestellt, bekommt man (hoffentlich) einen guten Wein und wer Kaffee trinken will, der fragt ganz einfach nach kávé. Viel mehr konnten wir uns leider nicht merken. Trotzdem haben wir ein paar wunderbare Tage in Budapest verbracht und kommen bestimmt noch einmal wieder, denn wir haben längst nicht alles gesehen.

Ich wünsche euch auf jeden Fall eine wunderbare Entdeckungsreise!

 

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