Schweden im Regen

Wenn ich an Schweden denke, dann kommen mir Kanelbullar (Zimtschnecken), rote Häuschen im Märchenwald am See und wunderbare Familienurlaube im hohen Norden in den Sinn. Meine Schwester und ich haben in diesem Sommer eine Art Schweden-Revival gemacht, wollten uns endlich mal Stockholm anschauen und danach eine Woche lang über Seen paddeln.

Mein Reisebericht, den ihr hier auch auf der scandtrack-Seite lesen könnt:

Salami für alle! Abenteuer in Schweden 2014

Schweden © Lisa Lehnen

Sommer in Schweden © Hannah & Lisa Lehnen

Eigentlich wollte ich nur einen kurzen Bericht schreiben, aber ich habe gemerkt, dass sich diese Reise und die vielen Eindrücke einfach nicht in wenigen Worten zusammenfassen lassen. Also los geht´s: Eine Woche lang Regen. Ich muss zugeben, das klingt nicht unbedingt nach einem schönen Urlaub. Wir haben aber ziemlich schnell festgestellt, dass es um viel mehr geht, als nur um das Wetter. Und dass man trotz allem – oder gerade deswegen – einen abenteuerlichen und tollen Urlaub haben kann!Im Sonnenschein und mit der festen Überzeugung, regelmäßig von dem im Outdoorpaket enthaltenen Klappspaten Gebrauch machen zu müssen, reisten wir im Basiscamp Höglund per Eigenanreise an. Unsere kleine Gruppe machte einen recht zusammengewürfelten Eindruck und wir waren gespannt auf das, was uns in der kommenden Woche erwarten würde. Als es dann bereits beim Umpacken in die Packsäcke zu regnen anfing, ahnten wir noch nicht, dass wir uns damit nun sieben Tage lang arrangieren mussten. Eine Woche Kanutour auf dem Lelång in Schweden – wessen Idee war das überhaupt?!

Neun Leute, vier Boote. Beladen mit Tonnen, Eimern, Packsäcken und allerlei anderem machten wir uns schließlich am späten Nachmittag mit unserem Guide Markus zu ersten Paddelversuchen auf dem See auf. Wie froh wir waren, nach knapp zwei Stunden heile und trocken an unserem ersten Lagerplatz anzukommen! Dort hieß es dann gleich Zelte aufbauen, Tarp spannen, Vorräte sortieren (Was macht man zum Beispiel mit fünf Salamis? Darauf werde ich aber noch zurück kommen.), Feuer machen und eine erste Mahlzeit zubereiten. Und natürlich den tollen Ausblick in die schwedische Natur bei Sonnenuntergang genießen – wunderschön! Eine nette Überraschung: es gibt Klohäuschen. Zwar ohne Spülung, dafür aber mir Waldblick. Der Klappspaten muss also noch auf seinen Einsatz warten. Langsam lernte sich unsere Gruppe beim abendlichen Tee am Lagerfeuer besser kennen und es versprach, ein interessanter Urlaub zu werden.

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Auf zu neuen Ufern © Hannah & Lisa Lehnen

Nach der ersten Nacht im Zelt gab es ein ausgiebiges Frühstück. Gleich darauf mussten wir unser Lager räumen und erneut die Kanus beladen, um zu einer langen Tagestour und dem nächsten Lagerplatz aufzubrechen. Was für ein Tag auf dem Wasser! Das Wetter meinte es nicht besonders gut mit uns. Wind, Regen und Wellen in die falsche Richtung machten uns das Paddeln und Kurs halten nicht leicht. Aber wir erreichten nach einigen Stunden auf dem See und fast 20 km Strecke unseren Lagerplatz für die nächste Nacht. Eine Insel ganz für uns alleine – und diesmal sogar in Komfortausführung mit Schutzhütte! Ein trockener Spätnachmittag und sogar ein wenig Sonne stimmten uns wieder etwas zuversichtlicher. Eine Frage stellte sich jedoch: Wie bekommen wir nur die ganzen Sachen wieder trocken? Diese Frage sollte eine Woche lang unbeantwortet bleiben. Das beste Essen (Terence Hill Pfanne) und das erste Stockbrot mit Nutella (findet man tatsächlich in den Vorratstonnen!) sorgten am Abend für gute Laune. Erschöpft fielen wir in unseren Schlafsäcken in Zelten und Hütte in einen wohlverdienten Schlaf.

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Regen, Regen, Regen… © Hannah & Lisa Lehnen

Am zweiten Morgen: Regen. Aber es half nichts, wir mussten weiter. Und wir sind ja alle nicht aus Zucker! Kurz nach Mittag erreichten wir eine Schleuse, durch die wir zunächst in einen Kanal und dann in ein weiteres Seengebiet gelangten. Einige Sonnenstrahlen am Nachmittag hatten uns schon fast wieder mit dem Wetter versöhnt, als es, kaum am nächsten Lagerplatz angekommen, wieder begann, wie aus Eimern zu gießen. Die Anmerkung dazu von unserem Guide Markus: „Okay, es regnet. Aber habt ihr euch schon mal angeschaut, was die Tropfen für tolle Muster auf dem Wasser machen?“ Es stimmt. Auch dem sonst meist ungeliebten Naturereignis Regen kann man schöne Seiten abgewinnen!
Zur abendlichen Erheiterung zogen die männlichen Gruppenmitglieder aus, um die von uns als ungenießbar befundene Salami (brennt aber gut) an eine sich ebenfalls auf der Insel befindenden Gruppe von Belgiern abzugeben, bzw. gegen etwas Attraktiveres einzutauschen. Tatsächlich „erbeuteten“ sie ein Glas Erdbeermarmelade und ein Paket Kekse – was ein Erfolg!

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Nach dem Regen © Hannah & Lisa Lehnen

Der nächste Tag überraschte uns dann, nachdem wir mal wieder im Regen gestartet waren, mit Sonnenschein am frühen Nachmittag. Während einige von uns von Schokoladeneis mit Sahne träumten mussten wir uns der harten Realität stellen und 1,7 km unsere Kanus samt Gepäck (getrennt voneinander, also doppelte Wege) über Land tragen. Arbeitsteilung, Koordination und Gruppenzusammenhalt – das will alles gelernt sein und erprobt werden. Am späten Nachmittag hatten wir uns dann aber mit sämtlichen Sachen wieder sortiert und gemerkt, dass wir auch solche Herausforderungen gemeinsam schaffen können. Die Belohnung: eine Runde Doppelkekse – Goldstaub, wie unser Guide Markus zu sagen pflegt. Weiter ging es nun nicht mehr über den großen See sondern durch etwas schmalere Gewässer. So hat man zu beiden Seiten besten Ausblick aufs Ufer und entdeckt – wenn man Glück hat – sogar den ein oder anderen Biber (in unserem Fall blieb es ein einzelnes Exemplar). Da es aber schon spät war und der Himmel sich bereits wieder zuzog, beschlossen wir kurz darauf, unser Nachtlager aufzuschlagen.

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Wunderschöne Natur © Hannah & Lisa Lehnen

Wir konnten unser Glück am vierten Morgen kaum fassen: blauer Himmel und Sonnenschein! Eine bessere Motivation gab es kaum, um die nächste Strecke auf dem Wasser zurückzulegen. Kurz nach Mittag erreichten wir jedoch einen so perfekten Lagerplatz, dass wir beschlossen, einen Tag Pause einzulegen und das Wetter zu genießen. Keine schlechte Idee, vor allem in Hinblick auf den nächsten Tag. Aber wir wussten ja noch nicht, was uns so alles erwarten würde… Vermutlich besser so.
Wir entspannten also bei Sonnenschein und konnten endlich das bereits vielfach von Markus erwähnte Kentertraining absolvieren. Dabei geht es darum, zu lernen, wie man ein Boot nach dem Kentern wieder aufrichten und unversehrt zurück an Bord gelangt. Das klingt viel theoretischer, als nach dem Spaß, den es tatsächlich gemacht hat! Eine gute Gelegenheit, eine Runde Schwimmen zu gehen und auch direkt die Haare zu waschen (mit Outdoor-Shampoo natürlich); sonst kein besonders einfaches Unterfangen, wie sich herausgestellt hat. Der Tag klang aus bei Stockbrot, Tee und netten Gesprächen am Lagerfeuer. Und wieder zog man aus, des Nachts Salamis einzutauschen. Einige Stunden später war tatsächlich Beute zu verzeichnen: ein Päckchen Mirácoli und – man glaubt es kaum – ein Glas Nutella!

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Und vor uns der See © Hannah & Lisa Lehnen

Der nächste Tag war hart und brachte uns alle an unsere Grenzen. Losgepaddelt im Sonnenschein und mit entsprechend guter Laune überraschte uns schon bald ein heftiges Gewitter. Als das Donnergrollen immer näher kam und wir – ohnehin schon völlig durchnässt – nun auch noch die doch kälter gewordenen Temperaturen zu spüren bekamen, blieb uns nichts anderes übrig, als den nächstgelegenen Lagerplatz anzusteuern. Die Hütte war bereits besiedelt, aber man gewährte uns Unterschlupf. Im Regen und mit kalten Fingern mussten dort Zelte und Tarp aufgebaut und ein Feuer gemacht werden. Zum Aufwärmen krochen wir alle vor dem Essen noch für einige Zeit ins Zelt. Den folgenden Tag verbrachten wir nach langer und anstrengender Diskussion (zugegeben einer von vielen) auf der Insel, um etwas zu entspannen und einige Klamotten wenigstens teilweise zu trocknen. Mehrere Kilo Stockbrot (mit Nutella) und das warme Lagerfeuer brachten uns, trotz Regen, gut durch den letzten Tag.

Das größte Abenteuer erwartete uns dann in der Nacht: Paddeln im Dunkeln! Nie hätte ich gedacht, wie toll es ist, auf dem absolut stillen, schwarzen Wasser dahinzugleiten. 20 km lang folgten wir dem kleinen, blauen Licht von Guide Markus, bis irgendwann in den frühen Morgenstunden der Tag anbrach und es wieder hell wurde auf dem See. Etwas erschöpft von wenig Schlaf und mehreren Stunden Paddeln kamen wir schließlich wieder an unserem Startpunkt an. Leider einige Stunden zu früh, um schon ins Camp zu laufen. Also vertrieben wir uns die Zeit mit Kanus ausräumen, Brote schmieren (irgendwann kann man das Fitnessbrot leider nicht mehr sehen…) und leichter Morgengymnastik. Als eine der ersten Gruppen zurück im Camp konnten wir dann in aller Ruhe unsere Sachen abholen und die Rucksäcke sortieren. Selten habe ich mich so über eine heiße Dusche und frische Klamotten (ganz ohne Lagerfeuergeruch) gefreut – wunderbar! Da waren Regen und Strapazen schon fast wieder vergessen. Nach einigen Stunden Wartezeit und einem nicht ganz zufriedenstellenden Abendessen ging es mit dem Bus wieder Richtung Heimat. 17 Stunden später und mit einigen Nerven weniger (kamikazemäßige Busfahrer…) kamen wir am Hauptbahnhof in Köln an. Was eine abenteuerliche Reise!

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So weit das Auge reicht © Hannah & Lisa Lehnen

Unser Fazit nach acht Tagen Schweden zu Wasser: Ein Urlaub ohne Blaubeeren, Elche und leider meistens auch ohne Sonne. Aber eben auch ohne Handy, Strom und fließendes Wasser. Da kommen Erinnerungen an die Kindheit, an Pfingstlager und Sommercamps zurück. Und die Erkenntnis, dass es auch eine Woche lang (fast) ohne Kontakt zur Zivilisation geht und das Natur pur und Lagerfeuerromantik sogar ganz entspannend sein können. Insgesamt eine tolle Reise mit neuen Erfahrungen und netten Leuten!
Für die nächste Reise sind wir nun definitiv besser vorbereitet und wissen auch, um welche Dinge wir unsere private Ausrüstung auf jeden Fall ergänzen müssen (z.B. Regenhose, kleiner Packsack für persönliche Sachen, Thermobecher, Sitzkissen fürs Kanu, …).

Zurück in der Heimat bekamen wir bei der obligatorischen Präsentation der Urlaubseindrücke zu hören: „Das Wetter sieht auf den Bilder doch ganz gut aus!“ Es war ja auch toll. Aber eben nass. Und wer macht denn bitte schön im Regen Fotos?

Wir, das heißt meine Schwester Hannah und ich, können uns nur bedanken bei dem Team von scandtrack für eine abenteuerliche Kanutour mit super Verpflegungspaket und Ausrüstung! Wenn ihr das mit dem Wetter beim nächsten Mal noch etwas besser hinbekommt, sind wir sicher mal wieder dabei. ☺

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